Abschied


Geweint, getrauert, gelitten,

jetzt endlich schmerzfreier,

wieder Luft zum Atmen,

dankbares Zurückblicken.

Kater Luckys 1. Jahr


Auf einem großen LKW-Parkplatz wurde ich in einem Gebüsch geboren.  Ich war erst  fünf Wochen alt, als meine Mama von der Mäusejagd nicht wieder zu mir zurück kam. Nun war ich ganz allein und hatte furchtbaren Hunger. Da kam ein Mann, hob mich auf und setze mich in diesen großen Karton hinein. Ich kuschelte mich schnell in die Jacke und hatte plötzlich nicht mehr ganz so viel Angst.

Wo bin ich denn nun? Hier ist es viel weicher, als auf dem sandigen Gelände. Das ist zwar sehr schön, doch mein Magen knurrt sehr laut. Die Frau, ich nenne sie einfach mal „mein Frauchen“,  klappert in der Küche herum. Ob ich endlich etwas zu Futtern bekomme?

Von wegen Essen. Was soll das denn nun bedeuten? Hilfe, ich falle hier raus! Frauchen sagt: „Oh, nur 800 Gramm wiegt unser kleiner Schatz.“ Mir egal. Ich hab Hunger!


Endlich etwas zu essen! Miauuuu! Das schmeckt so gut! Ich weiß gar nicht, auf welcher Seite ich anfangen soll.


Ich habe eine Idee! Da setze ich mich doch einfach ganz hinein. Vielleicht geht es so schneller mit dem Sattwerden.


Ach, hier soll ich nun reinpieschern? Aber das ist so hart an meinen kleinen Füßchen. Wenn ich jetzt einfach neben diesen krümeligen Kram mache? Ob das Schelte gibt?

Hier oben baumelt ein Band, aber ich komme wirklich nicht hoch. Sieht das denn niemand?

Da lege ich mich doch lieber auf die Kuscheldecke. Sehe ich jetzt nicht richtig zufrieden aus? Oh, ist das gemütlich hier. Viel besser als auf dem Seitenstreifen des Parkplatzes. Mit einem Male werde ich ganz müde und möchte nun ein wenig schlafen.

Ich wache von einem schrecklich lauten Geräusch auf. Frauchen sagt: „Oh, es klingelt. Mal sehen, wer uns besuchen kommt.“ Es der Sohn von meinem Frauchen. Natürlich ist er ganz entzückt von mir. Zärtlich nimmt er mich hoch. Falle ich auch nicht runter? Ach nein, er hat mich voll im Griff.

Na so was. Es klingelt schon wieder. Wer kann das denn nun sein? Alle wollen mich begutachten, das gefällt mir. Es ist die Tochter von meinem Frauchen. Ich zappel ein wenig herum in ihren Armen. Aber auch sie passt auf, dass ich nicht falle.

Am Nachmittag kommt ein Mädchen, das heißt Kirsten. Frauchen sagt, dass ist ihre Nichte.  Sie ist so lieb zu mir, kuschelt, schmust, streichelt mich und redet liebevoll mit mir. Ich schmiege mich an sie, die Wärme tut mir so gut.

Nun ist es fast genau so schön, wie bei meiner Mama. Ich fühle mich geborgen, satt und zufrieden. Sofort schlafe ich ein.

Kirsten ist wieder nach Hause gefahren. Frauchen hat mich auf die Fensterbank gesetzt, damit ich ihr hinterher gucken kann. Nun muss ich eine Woche warten. Am nächsten Wochenende  kommt sie wieder zum Spielen.

Ich winke ihr einfach vom Bett aus ein wenig hinterher.

Irgendwie bin ich ein wenig traurig. Ich kralle mir meine „Tigerlilli“ und beiße kräftig zu. Ih, das schmeckt überhaupt nicht gut.

Anschließend versuche ich, mich in den Schuh zu legen. Aber dafür bin ich schon zu groß.

Miauuu! Hab ich mich erschrocken, es klingelt. Frauchens Sohn ist wieder da. Schnurr……,  kann der schön kraulen!

Endlich darf ich auf die Terrasse! Das ist ja spannend! Wie gut es hier riecht. Ich gucke mir erst einmal alles genau an. So große Stühle. Plötzlich komme ich mir richtig winzig vor.

Frauchen hebt mich auf den Tisch und lässt ein dicke Seil über mir baumeln. Soll ich das jetzt fangen, oder was denkt sie sich dabei?

Hier muss ich doch erst mal reinfassen mit der Pfote. Ih! Das ist ja nass. Was soll das denn bedeuten? Nur nicht hineinfallen.

Ich bin hier einfach mal raufgesprungen. Das ist aber ungemütlich. „Frauchen! Kannst du mir hier mal etwas Weiches drauflegen?“

Hier steht so ein komisches Tier, aber es bewegt sich nicht. Was soll das wohl sein?

Am Abend bin ich so kaputt, dass ich nur noch schlafen möchte. War das ein anstrengender Tag!

Hier ist was los! Heute ist Frauchens Freundin Ruthchen zu uns gekommen. Ich lass mich von ihr mit Streicheleinheiten verwöhnen.

Das ist mein Kratzbaum. Allerdings weiß ich noch gar nicht richtig, wie ich daran kratzen soll. Er ist auch so groß und hoch. Da muss ich noch drauf gehoben werden. Na ja, wird schon. Frauchen sagt, ich wachse ganz schnell, wenn ich so viel weiter fresse.

Hier auf dem Sessel liege ich auch gern. Ein kuscheliges Fell liegt darauf. Mein Bäuchlein wird ganz warm. Ich muss an meine Mama denken. Die fühlte sich genau so an.

Es ist aber auch nicht so einfach, mit so kurzen Beinchen einen Berg zu erklimmen.

Ha, so schnell gebe ich nicht auf. Geschafft! Von hier aus habe ich eine gute Übersicht. Es gibt so viel zu sehen.

Auf der Terrasse kann ich mit „Tigerlilli“ noch viel besser spielen. Sie rutscht so schön hin und her auf den Steinen, wenn ich sie jage.

Ich mag genau so gerne Blumen, wie mein Frauchen. Sie sagt, ich solle mal ganz still sitzen, damit sie mich mit den Löwenmäulchen – so heißen die Blumen – fotografieren kann. „Ist es gut so, Frauchen? Sehe ich schön aus?“

Frauchen meint, ich bin so niedlich, wenn ich erwartungsvoll in ihre Kamera gucke. Nicht nur dann, finde ich.

Kirsten ist wieder da, miauuuu. Ich freue mich so! Nun wird wieder herumgetobt. Sie steckt mich einfach unter ihren Pulli. Das ist lustig.

Kirsten hat den Kratzbaum auf die Terrasse gestellt. Sie wackelt oben mit den Fingern herum. Da muss ich hin, ein wenig dran knabbern. Ich nehme einen Anlauf und sause wie der Blitz hoch.

Auf dem Kratzbaum angekommen, klettere ich auf Kirstens Rücken und laufe runter.

Frauchen! Jetzt habe ich ja deinen Fotoapparat fast im Gesicht! Hör sofort auf damit!

Kirsten knuddelt ordentlich doll mit mir. Das könnte ich stundenlang aushalten.

Abends sind Kirsten und ich so müde vom Toben, dass wir sofort zusammen im Bett einschlafen.

Als Kirsten am nächsten Tag wieder nach Hause geht, bin ich so wütend, dass ich das erste Mal einen Buckel mache. Ich weiß gar nicht, wie das passierte. Es ging ganz von allein. Meine Haare sträubten sich richtig.

Ich laufe ins Badezimmer, will mich ein wenig abkühlen. Aber es ist  kein Wasser in der Wanne.

Aber hier tropft Wasser aus dem Hahn. Wasser marsch…..

Einige Wochen später….

Miauuuuu!!!! Ich bin inzwischen so groß, dass ich in den Garten darf. Frauchen sagt: „Lucky, du darfst aber nicht weglaufen!“ Oh, dass der Garten so groß ist, hätte ich nicht gedacht.

Ist das aufregend! Hier auf dem Rasen mit den Gänseblümchen weiß ich gar nicht, in welche Richtung ich denn nun zuerst laufen will. Links, rechts, geradeaus?

Ehe Frauchen sich versieht, bin ich den Fliederbeerbaum hochgewetzt. Ist das eine Aussicht hier. Frauchen rennt immer unten rum, weil sie denkt, ich falle vom Baum. Ich bin doch eine halbe Wildkatze, die fällt nicht.

Hallo, sieht mich hier jemand? Oder habe ich mich zu gut versteckt? Frauchen wird immer nervöser. Sie tut mir richtig leid. Aber, da muss sie durch. Es ist sooo schön hier oben.

Als ich Kirstens Stimme höre, rase ich die Stämme hinunter und lasse mich von ihr auf den Arm nehmen. Sie setzt mich auf ihre Schulter. Da sagt Frauchen doch tatsächlich, dass ich aussehe wie ein Affe. Also…..

Kirsten sucht mich. Ich habe mich ganz still zu den Teddybären gelegt. Miauuu, ist das lustig. Es dauert etwas, bis sie mich entdeckt hat.

Frauchen meint: „Lucky, du warst mal genau so klein, wie deine Tigerlilli. Also, nun glaube ich aber doch, das Frauchen schwindelt.

Auf den Kratzbaum komme ich schon seit langem selbst rauf. Heute steht er auf der Terrasse, weil ich von dort aus so schön gucken kann.

Frauchen, musst du denn ständig fotografieren?


Es ist Wochenende, Kirsten ist da. Wir spielen ein wenig und genießen das schöne Wetter

Sonja ist da! Ihr Mann war es, der  mich vom Parkplatz gerettet hat. Sonja hätte mich so gern behalten, aber ihre beiden Katzen wollten das nicht, sie waren eifersüchtig.  So bin ich dann zu Frauchen gekommen. Sonja besucht uns immer mal.

Ich finde es so toll, wenn Besuch hier ist. Aber danach bin ich auch meistens todmüde. Frauchen sagt, ich bin ein Schlafbär. Also, so eine Beleidigung.

Ja, dies hier ist mein Garten. Das ist mein Bezirk. Kein anderer Kater hat hier etwas zu suchen. Dem verprügel ich sein Fell. Aber ordentlich. Ich fange an zu knurren wie ein Hund, wenn das nicht hilft stoße ich laute Schreie aus. Bisher habe ich alle verscheucht damit.

Ich spiele mal wieder Verstecken mit Frauchen. Sie ruft und sucht mich.  Unbeweglich liege ich zwischen den Vergissmeinnicht. Aber irgendwann entdeckt sie mich dann doch.

Jetzt versuche ich es hier noch einmal. Psssst, ganz still, sonst findet Frauchen mich. Wenn sie hier gleich vorbei kommt, erschrecke ich sie, indem ich ihr vor die Beine springe. Sie jucht dann immer so herrlich. Jetzt…..

Anschließend  springe ich auf den Kratzbaum und hoffe, dass ich jetzt ein paar Leckerlies bekomme. Oder ist Frauchen jetzt böse, weil ich sie erschreckt habe?

Im Bett ist es am Schönsten. Es ist so weich und kuschelig. Wenn Frauchen dann neben mir liegt, bekomme ich immer jede  Menge Streicheleinheiten von ihr.

Frauchen war einkaufen. Es hat geregnet. Den Schirm spannt sie zum Trocknen auf dem Flur auf. Darunter fühle ich mich richtig beschirmt.

Freitags liege ich immer auf der Fensterbank. Kurz nach 14 Uhr kommt Kirsten. Katzen haben eine innere Uhr, das ist ganz praktisch. Wenn Kirsten mal ein Wochenende nicht kommt, dann warte und warte ich….

Außerdem bin ich dann ziemlich ungnädig und habe schlechte Laune. Was ist los? Ich soll hier runter kommen? Warum das denn? Das ist mein Platz.

Es hat ganz doll geschneit. Das macht mir aber gar nichts aus. Ich muss doch mein Revier abschreiten.

Knapp zehn Jahre später:

So sehe ich heute aus, mit knapp zehn Jahren. Ich kann gerade noch auf dem Kratzbaum sitzen.

Die Jahre machen sich bemerkbar! Zum Hinlegen auf dem Kratzbaum ist nicht genügend Platz. Aber, das macht ja nichts. Dann lasse ich das, was zu viel  ist, einfach über den Rand hängen.  Hauptsache, ich kann meine Krallen vorn am Brett wetzen.

Schutzengel

schutzengel

Ich breite meine Flügel aus,
dann kannst du dich verstecken.
Treiben wir mal Schabernack,
lass uns die Menschen necken.

Es gibt zu wenig Fröhlichkeit,
mach dir doch keine Sorgen.
Du bist hier nur für kurze Zeit,
verschieb sie doch auf morgen.

Ein großer Stern am Himmel steht,
für dich nur ganz alleine;
der leuchtet immer – Tag und Nacht,
sogar im Sonnenscheine.

Gern will ich den Weg dir weisen,
fühl` dich beschützt für immer.
Genieß das Leben hier und jetzt,
die Augen voll Sternenschimmer.

 

Bobby

Wohlig schnurrend

liegt der Kater

auf meinem Bauch.

Verschlafener Blick,

sanftes Schlagen

mit dem Schwanz.

Maunzen, Gähnen,

Wohlbehagen,

dann Tiefschlaf.

Die Pfoten zucken.

Was fängt er grad

in seinem Traum?